Ja –
da gibt es einen sinnvollen Standardansatz, und der Hinweis auf Stücklisten geht in die richtige Richtung. Ich würde aber nicht versuchen, die AB direkt in eine Bestellung zu übernehmen.
Was Sage im Standard kann
Bei einer normalen Artikelposition kann Sage über
Bedarfsdeckung/Lieferantenvergleich aus einer Auftragsbestätigung eine Bestellung erzeugen. Dass dieser Prozess existiert, ist auch in den Wartungstexten ausdrücklich dokumentiert: „Auftragsbestätigung / Lieferantenvergleich / Übernahme in Bestellung“.
Der wichtige Punkt ist: Sage kann die entstehende EK-Bestellposition anschließend mit ihrem
Bedarfsverursacher aus dem Verkauf verknüpfen. Im Sage-Forum ist sogar die technische Beziehung dokumentiert: KHKEKBelegePositionenBedarfVerursacher enthält die Verknüpfung zwischen Einkaufsposition und Verkaufsposition – und über VerursacherSubID bzw. ReferenzSubID können auch
Stücklistenelemente berücksichtigt werden.
Für den beschriebenen FTK-Fall
Angenommen, verkauft wird:
FTK-Artikel A – 1 Stück
für die Leistung müssen aber eingekauft werden:
- EK-Artikel 4711 – Dienstleistung A
- EK-Artikel 4712 – Dienstleistung B
- EK-Artikel 4713 – Dienstleistung C
Dann würde ich prüfen, ob man den FTK-Artikel als
Handelsstückliste abbilden kann und die drei benötigten EK-Artikel als Stücklistenbestandteile hinterlegt.
Genau dieses Szenario wurde im Sage-Forum bereits sehr ähnlich diskutiert: Ein Verkaufsartikel besteht aus mehreren Einzelartikeln, die nach Eingang der Kundenbestellung bei unterschiedlichen Lieferanten bestellt werden müssen. Dort wird als Standardweg empfohlen, die
Disposition bzw. Bestellvorschläge zu verwenden.
Damit wäre der Prozess eher:
AB mit FTK-Artikel → Stücklistenauflösung/Bedarf → Disposition → Bestellvorschläge → Bestellungen bei den jeweiligen Lieferanten
und nicht:
AB → „Bestellung erzeugen“
Das hat sogar einen Vorteil: Wenn drei Bestandteile bei drei unterschiedlichen Lieferanten beschafft werden, kann die Disposition daraus die entsprechenden Bestellungen erzeugen.
Aber: „Wir arbeiten ohne Lager“ ist hier entscheidend
Das würde ich
vor einer Zusage testen.
Handelsstücklisten alleine lösen nämlich nicht zwangsläufig den benötigten Beschaffungsbedarf aus. Im Forum wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Stücklisten in Verkaufsbelegpositionen für sich genommen
keinen Bedarf auslösen bzw. Bestandteile reservieren.
Deshalb sehe ich für diesen Kunden zwei mögliche Wege:
A – Sage-Standard über Disposition: Wenn sich die FTK-/Stücklistenbestandteile als disponierbare, nicht lagergeführte Artikel sauber verwenden lassen, wäre das mein Favorit. Dass Sage grundsätzlich auch mit
nicht lagergeführten Artikeln in Bedarfs-/Dispositionsprozessen arbeitet, sieht man ebenfalls in den Wartungstexten.
B – kleine Anpassung: Aus einer FTK-Verkaufsposition werden anhand einer hinterlegten Zuordnung automatisch die benötigten EK-Artikel erzeugt und als Bestellungen angelegt. Dabei wird die Beziehung
VK-Position → EK-Position(en) als Bedarfsverursacher erhalten. Das wäre bei passiver Veredelung möglicherweise sogar der sauberere Prozess, weil hier faktisch keine klassische Lager-/Materialdisposition benötigt wird.
Und die gewünschte
Auswertung VK ↔ EK ist definitiv machbar. Die technische Verknüpfung dafür ist im Sage-Standard vorhanden.
Meine Empfehlung: Bevor wir dem Kunden sagen „geht über Stückliste“, würde ich sein konkretes Szenario einmal mit
einem FTK-Verkaufsartikel + zwei EK-Artikeln + zwei Lieferanten + ohne Lagerführung in einer Demo nachbauen. Ich vermute, dass wir entweder über Bedarfsdeckung/Disposition sehr nah an den Standard kommen oder nur eine relativ kleine Erweiterung benötigen.
Das ist übrigens ein Fall, bei dem ich
nicht einfach „geht nicht“ antworten würde. Die Sage hat mit Bedarfsverursachern und Stücklisten bereits einen großen Teil der benötigten Datenstruktur. Der Knackpunkt ist lediglich,
wie bei einem FTK-Verkaufsartikel automatisch die mehreren EK-Bedarfe entstehen.